Kräuterwissen

Wildkräuter sind nicht nur schön anzusehen, viele von ihnen werden seit jeher in den verschiedensten Bereichen des Lebens eingesetzt:

  • zum Färben

  • zum Heilen

  • für Getränke

  • in Speisen

  • als Bastelmaterial

  • als Baumaterial

  • als Dekoration

  • als Räucherwerk

  • zum Destillieren

  • für Textilien

  • als Dünger,...
Eine solche Farbenpracht ist auf Wiesen leider selten geworden.

Wildkräuter bilden die Grundlage für chemische Analysen in der Pharmaindustrie, für Erfindungen wie etwa der Klettverschluss, für natürliche und gesunde Ernährung und sie waren nicht zuletzt Grundlage für die Züchtungen unserer Kulturpflanzen.

Küchenkräuter sind heute aus der Küche nicht mehr weg zu denken. Bei den Wildkräutern verhält es sich ein wenig anders, denn das Wissen um ihre Anwendung ist zumeist unbekannt und bleiben daher meist der Küche fern.

Leider zu Unrecht, denn in ihnen steckt oft ein Vielfaches an pflanzlichen Inhaltsstoffen von herkömmlichem Kulturgemüse.

So sind etwa Gerbstoffe (auch Tannine genannt) in Kräutern wichtig für unseren Körper, denn sie können Eiweißstoffe der Schleimhäute und der Haut binden. Eingesetzt werden sie vor allem äußerlich bei Entzüngungen aller Art. Manche Kräuter enthalten jedoch zu viele oder den Magen reizende Gerbstoffe; diese Kräuter sollten bei Einnahme nur in einem kalt angesetzten Tee verwendet werden.

Ätherische Öle: haben viele unterschiedliche Wirkungen auf unseren Körper. Sie wirken über die Nase in unseren Gehirnregionen. Oder werden über die Haut und die Schleimhäute aufgenommen (nie pur verwenden). So können einige entzündungshemmend, krampflösend, harntreibend, organstärkend, beruhigend, anregend, antiseptisch, desinfizierend etc. sein. In fast allen Kräutern finden wir ätherische Öle, jedoch werden in der Naturheilkunde nur jene mit dem höchsten Gehalt verwendet. Sie sind fettlöslich und eignen sich daher gut zur Unterstützung bei Konzentrationsschwäche, gegen Anspannung, Schlaflosigkeit etc. in der Duftlampe.

Alkaloide: werden auch (stark wirkende) Heilgifte genannt. Sie können oder erregen das Zentralnervensystem, das autonome Nervensystem und die Nervenzellen. Sie eignen sich daher nicht als Teezubereitungen oder zu einer anderen innerlichen oder äußerlichen Einnahme (außer in der Homöopathika). Alkaloidreiche Pflanzenfamilien sind Hahnenfuß-, Lilien- und Nachtschattengewächse.

Vitamine: sind für unseren Körper äußerst wichtig und brauchen Mineralstoffe und fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K, um vom Körper resorbiert werden zu können. Wasserlösliche Vitamine müssen durch die Nahrung immer wieder aufgenommen werden, da sie keine Langzeitwirkung entwickeln und mit den nächsten Harn wieder ausgeschieden werden.

Fettsäuren: gesättigte Fettsäuren stammen vorwiegend aus tierischen Quellen, während ungesättigte (einfach oder mehrfach) aus pflanzlichen Quellen, etwa Obst und Gemüse, stammen und cholesterinfrei sind. Cholesterinfrei bedeutet jedoch nicht fettfrei. Denn eine Avocado z.B. enthält zwar kein Cholesterin, aber ca. 30 g Fett. Fettsäuren liefern viel Energie, unterstützen das Immunsystem, vermindern u.a. Depressionen und wirken sich auf viele weitere Stoffwechselprozesse positiv aus.

Ballaststoffe: sind unverdauliche Faserstoffe. Wildkräuter besitzen in der Regel viele Ballaststoffe, denn je unraffinierter etwa Getreide ist, desto mehr Ballaststoffe enthält es. Ballaststoffe quellen im Magen auf und sorgen durch die Zunahme des Volumens für eine Verstärkung des Sättigungsgefühls. Hungersignale entstehen im Gehirn erst bei sinkendem Blutzuckerspiegel. Aus ballaststoffreicher Nahrung werden die Kohlenhydrate im Darm langsamer aufgenommen, dadurch kommt es zu einem geringeren Blutzuckeranstieg nach dem Essen.

Glykoside: werden durch Wasser in Zucker und Aglykon umgewandelt. Im menschlichen Körper werden Giftstoffe oft durch Bindung an Glucuronsäure als Glucuronide wasserlöslich gemacht und können so ausgeschieden werden. Glycoside sind in der Natur weit verbreitet. Sie haben eine große Bandbreite an biologischen Funktionen und Wirkungsweisen: schleimlösend, herzstabilisierend, abführend, etc.

Mineralstoffe: sind lebensnotwendige anorganische Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst herstellen kann und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Mineralstoffe sind gegen die meisten Zubereitungsmethoden unempfindlich, können jedoch bei übermäßig langem Kochen ausgelaugt werden Die zugeführte Menge ist äußerst wichtig, da Vitamine nur in Kombination mit Mineralstoffen resorbiert werden können. Auch Mineralstoffe sind Radikalfänger.

Kohlenhydrate: sind die Hauptenergielieferanten bzw. der Brennstoff für unser Gehirn und Nervensystem. Wildkräuter verfügen generell über einen niedrigen Kohlenhydratewert und mehr Ballaststoffen. Sie sind daher gut für kohlehydratarme Diäten geeignet.

Bitterstoffe: drei Arten von Bitterstoffen kennen wir: reine Bitterstoffe, jene, die auch ätherische Öle enthalten und Scharfstoffe. Reine Bitterstoffe regen die Magensaftabsonderung an und verfügen über eine kräftigende Wirkung. Typisches Einsatzgebiet ist die Verdauung und Nervosität und Müdigkeit. Bitterstoffe, die ätherische Öle enthalten haben zusätzlich zu den Wirkungen der reinen Bitterstoffe noch jene der Öle. Zumeist wirken sie sich auf den Darm, die Leber und die Galle aus. Sie können antiseptisch, antibakteriell und antiparasitär wirken. Scharfstoffe sind in unseren Breiten selten zu finden, wie etwa Ingwer, Galgant, Pfeffer, ... sie haben eine besondere Wirkung auf den Kreislauf.

Schleimstoffe: sind Kohlenhydrate, die im Wasser aufquellen. Sie sind häufig anzutreffen und durch ihre Auskleidung der Schleimhäute zumeist zur Reizlinderung verwendet. Durch ihre Quellfähigkeit wirken sie leicht abführend. Schleimstoffe werden aber vom Körper nicht aufgenommen und sind daher nur stellenspezifisch einsetzbar.

Flavonoide: sind wasserlösliche Farbstoffe in Gemüse, Obst, Getreide, Blätter und Rinden, die Antioxidationswirkung besitzen und somit die freien Radikale angreifen. Auch bei den heimischen Kräutern sind sie oft zu finden und haben unterschiedliche Wirkungen. Generell werden sie eingesetzt bei Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Saponine: – auch Scheifenstoffe genannt – haben eine Emulgatorfunktion und bilden in Verbindung mit Wasser einen haltbaren Schaum. Auch können sie den roten Farbstoff aus den Blutkörperpchen lösen. Saponine können schleimlösend, harntreibend, antirheumatisch, entschlackend, entzündungshemmend ... wirken. Darüber hinaus begünstigen sie die Aufnahme anderer Kräuterwirkstoffe.

Lass die Kräuter sprechen.
Hinhören lohnt sich!